Wie erkenne ich gutes Fertigfutter?
Guide für Hund & Katze
Es gibt diese Momente, die sich im Alltag einfach nicht vermeiden lassen: Die Gefriertruhe fällt aus, im Campingbus ist kein Platz für Fleischvorräte oder die Küche wird renoviert und der Herd bleibt kalt. Und plötzlich steht man da – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und der Frage:
„Was mache ich jetzt eigentlich mit der Fütterung?“
Gerade wenn du deinen Hund oder deine Katze normalerweise barfst oder selbst bekochst, kann sich der Griff zur Dose oder zum Trockenfutter wie ein Rückschritt anfühlen. Die Sorge ist oft groß, sich mühsam aufgebaute Routinen oder sogar die Gesundheit des Tieres „kaputt zu machen“.
Die gute Nachricht vorweg: Ein vorübergehender Wechsel auf Fertigfutter ist meist unproblematisch. Entscheidend ist die Qualität des Futters – und dein Verständnis dafür, was wirklich drin steckt.

Warum die Deklaration dein wichtigstes Werkzeug ist
Sobald du nicht mehr selbst mischst, gibst du die Kontrolle über die Zusammensetzung in die Hände des Herstellers. Genau hier wird es spannend – denn was auf der Verpackung steht, ist oft weniger eindeutig, als es auf den ersten Blick scheint.
Grundsätzlich gibt es drei Arten der Deklaration: offen, halboffen und geschlossen. Während eine offene Deklaration alle Zutaten klar und einzeln benennt – in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils – arbeitet die geschlossene Variante mit sehr allgemeinen Sammelbegriffen. Eine geschlossene Deklaration könnte lauten „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% vom Huhn)“. Begriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ lassen viel Interpretationsspielraum zu und geben dir kaum Aufschluss darüber, was dein Tier tatsächlich frisst.
Gesetzlich vorgeschrieben ist übrigens nur diese geschlossene Form. Alles, was darüber hinausgeht, ist freiwillig – und genau das macht eine offene Deklaration zu einem echten Qualitätsmerkmal.

Ein genauer Blick aufs Fleisch lohnt sich
Besonders beim Fleisch zeigt sich, wie viel Aussagekraft in einem einzelnen Wort stecken kann. Wenn du auf einer Dose „Hühnermuskelfleisch“ liest, weißt du ziemlich genau, was enthalten ist: die Skelettmuskulatur des Tieres, also das klassische, hochwertige Fleisch (z. B. Brust- oder Keulenfleisch ohne Innereien, Knochen sowie Haut).
Ganz anders sieht es bei Begriffen wie „Hühnerfleisch“ oder noch allgemeiner „Geflügel“ aus. Hier ist nicht eindeutig geregelt, welche Bestandteile enthalten sind. Es können neben Muskelfleisch auch Haut oder andere Gewebe verarbeitet sein. Noch unklarer wird es bei „tierischen Nebenerzeugnissen“, hinter denen sich – je nach Hersteller – sowohl wertvolle Innereien als auch weniger wünschenswerte Bestandteile verbergen können.
Ähnlich ist es auch, sollte nur „getrocknetes Tierprotein“ enthalten sein. Es handelt sich dann um die isolierten Eiweißbestandteile vom jeweiligen Tier. Die genaue Quelle (Muskelfleisch vs. proteinreiche Schlachtnebenprodukte) bleibt oft unklar. Es ist somit die „industriellere“ Variante im Vergleich zum echten, getrockneten Fleisch.
Hydrolysiertes Protein im Hundefutter: Was steckt dahinter?
Vielleicht hast du auf dem Etikett schon einmal den Begriff „hydrolysiertes Protein“ gelesen. Aber was verbirgt sich dahinter?
Ein Proteinhydrolysat entsteht, wenn tierisches (oder pflanzliches) Eiweiß durch einen chemischen oder enzymatischen Prozess in winzige Bestandteile aufgespalten wird. Man kann sich das wie eine Schere vorstellen, die die langen Eiweißketten in kleine Fragmente – sogenannte Peptide und Aminosäuren – zerschneidet. Das Eiweiß ist dadurch quasi „vorverdaut“.
Allerdings hat das Verfahren auch Tücken. Während der Hydrolyse geht oft der natürliche Fleischgeschmack verloren; das Futter kann sogar eine bittere Note entwickeln. Damit unsere Hunde und Katzen das Futter trotzdem akzeptieren, müssen Hersteller oft tricksen: Fette, Aromastoffe oder Hefe werden beigefügt, um die Akzeptanz künstlich zu erhöhen.
Ein weiterer Punkt, den man als Halter wissen sollte: Hinter dem Begriff „Hydrolysat“ können sich auch minderwertige Proteinquellen wie Federn oder Borsten verstecken. Da diese durch die Hydrolyse vollständig in ihre Aminosäuren zerlegt werden, sind sie für das Tier zwar plötzlich verdaulich, haben aber mit „frischem Fleisch“ wenig zu tun. Wenn der Hersteller die Quelle nicht genau benennt (z. B. „hydrolysierte Hühnerleber“ statt nur „hydrolysiertes Tierprotein“), bleibt die tatsächliche Herkunft oft ein Geheimnis.
Gerade deshalb gilt: Je präziser die Zutat benannt ist, desto besser kannst du ihre Qualität einschätzen
Warum ist die Reihenfolge der Zutaten wichtig?
Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist der Wassergehalt der Zutaten. Frisches Fleisch besteht zu einem großen Teil aus Wasser, während getrocknete Bestandteile deutlich konzentrierter sind. Der genaue Wasserverlust variiert je nach Fleischart. Da die Zutatenliste gemäß dem Gewicht vor der Verarbeitung erstellt wird, kann frisches Fleisch weit oben stehen, obwohl sein tatsächlicher Anteil im fertigen Futter deutlich geringer ist. So reduziert sich z. B. 56% frische Hühnerbrust zu 14% getrockneter Hühnerbrust. Und das ist natürlich ein großer Unterschied. Würde stattdessen getrocknete Hühnerbrust deklariert, bleibt das Gewicht während der Herstellung weitgehend stabil. Die Platzierung in der Zutatenliste spiegelt dann eher den tatsächlichen Anteil an proteinliefernder Substanz wider.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Eine prominente Platzierung von Frischfleisch ist kein automatischer Qualitätsbeweis. Erst im Zusammenspiel mit der gesamten Deklaration ergibt sich ein realistisches Bild.
Wenn Zutatenlisten täuschen können
Ein häufiger Trick in der Futtermittelindustrie ist das sogenannte „Splitting“. Dabei wird eine Zutat – zum Beispiel Mais – in mehrere Einzelbestandteile aufgeteilt, etwa Mais, Maismehl und Maiskleber. In der Zutatenliste erscheinen diese dann jeweils weiter hinten, obwohl sie zusammengerechnet den größten Anteil ausmachen könnten. Auf den ersten Blick wirkt das Futter dadurch fleischreicher, als es tatsächlich ist.
Was sind tierische Nebenerzeugnisse wirklich?
Auch der Umgang mit Nebenerzeugnissen sorgt oft für Verwirrung. Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Innereien wie Leber oder Herz absolut sinnvoll – schließlich gehören sie auch beim BARF zu einer ausgewogenen Ration dazu. Problematisch wird es erst dann, wenn nicht klar ist, welche Nebenerzeugnisse gemeint sind. In der industriellen Verarbeitung können nämlich auch Bestandteile wie Federn, Schnäbel, Ohren, Sehnen oder Klauen darunterfallen – Dinge, die wir selbst niemals als Lebensmittel betrachten würden. Federmehl etwa taucht dabei eher in Trockenfutter oder Snacks auf als in Nassfutter. Natürlich muss man nun nicht in Angst ausbrechen, die EU regelt hier klar: Tierische Nebenprodukte, die als Rohstoff für Heimtierfutter verwendet werden dürfen, fallen unter die sog. Kategorie 3 – die Grundforderung ist dabei die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Dennoch sind diese schwerer verdaulich als Muskelfleisch – und dein Tier benötigt von solchem Futter eine größere Menge pro Tag als von einem Futter mit erstklassigen Zutaten. Auch hinter pflanzlichen Nebenerzeugnissen können sich allerlei „Abfall“ aus der Industrie verbergen. So zum Beispiel Erdnussschalen, Pressrückstände aus der Ölgewinnung oder Strohspelzen.
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im Begriff selbst, sondern in seiner Transparenz.
Die als industrieller Abfall anfallenden Nebenerzeugnisse würden wir selbst auch nicht mehr essen.
Was dir die analytischen Bestandteile wirklich sagen
Ein weiterer Bereich, der oft missverstanden wird, sind die analytischen Bestandteile. Die analytischen Bestandteile sind die gesetzlich vorgeschriebenen Nährwert-Auflistungen auf Allein- oder Ergänzungsfuttermittel. Werte wie Rohprotein, Rohfaser, Rohfett oder Rohasche sind also auf jedem Futter zu finden. Sie vermitteln auf den ersten Blick den Eindruck, eine objektive Bewertung zu ermöglichen.
In der Praxis ist ihre Aussagekraft jedoch begrenzt. Der Rohproteingehalt zum Beispiel gibt lediglich den Gesamtstickstoffgehalt an – unabhängig davon, ob dieser aus hochwertigem Muskelfleisch oder aus pflanzlichen Eiweißquellen wie Erbsen oder Soja stammt. Genau hier setzt ein weiterer Trick an: Durch den Einsatz von pflanzlichen Proteinextrakten lässt sich der Rohproteinwert künstlich erhöhen, ohne dass tatsächlich mehr tierisches Eiweiß enthalten ist. Diese Proteinbestandteile sagen nur etwas über die Menge aus, aber nicht über die biologische Wertigkeit, also über die Qualität und Verdaulichkeit. Um zu erkennen, ob es sich hier um tierische oder pflanzliche Eiweiße handelt, solltest du die Zusammensetzung des Futters genauer lesen. Insbesondere für Katzen kann dies kritisch sein – als obligate Karnivoren – spielt die Qualität und Zusammensetzung der Aminosäuren eine deutlich größere Rolle. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Zahlen zu schauen, sondern immer auch auf die Zutatenliste selbst.
Die Rohasche umfasst den anorganischen Anteil des Futtermittels und enthält u.a. die für dein Tier so wichtigen Mengen- und Spurenelemente. Da Tierfutter im Rahmen der Analyse erhitzt wird, verbrennen dabei organische Bestandteile. Rohasche bleibt also nach vollständigem Veraschen bei ~550 °C übrig. Sie entspricht dem Mineralstoffgehalt (z. B. Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium). Es wird also keine Asche zugesetzt. Je höher dieser Wert ist, desto höher sind auch die zugesetzten Mineralstoffe. Bei Trockenfutter liegt der Wert meist zwischen 5 und 8% – höher sollte er auch bei normalem Futter nicht sein. Bei Nassfutter liegt er meist unter 2%.
Auch der Feuchtigkeitsgehalt des Futtermittels wird angegeben. Dieser ist relevant zur Einordnung der übrigen Prozentwerte. Denn ist die Feuchtigkeit im Produkt unplausibel hoch, so sollte man nochmal ganz genau schauen. Nassfutter liegt meist bei ca. 70–80 %, Trockenfutter meist 8–10 %. Wasser gilt grundsätzlich nicht als deklarierungspflichtiger Zusatzstoff. Wird Brühe hinzugefügt, so sollte diese in der Zutatenliste stehen. Aber Achtung: Je „wasserhaltiger“ das Produkt ist, desto mehr wird euer vierbeiniger Freund davon benötigen, um auch satt zu werden.
Mineralstoffe – ein oft unterschätzter Faktor
Auch bei den Mineralstoffen lohnt sich ein genauer Blick. Werte wie Calcium oder Phosphor müssen nicht zwingend angegeben werden, sofern sie nicht gezielt beworben werden. Fehlen diese Angaben auf dem Etikett, heißt das also nicht, dass sie nicht enthalten sind – sondern lediglich, dass du keine genaue Auskunft darüber bekommst. Gerade bei wachsenden Tieren oder Katzen kann das Calcium-Phosphor-Verhältnis jedoch eine wichtige Rolle spielen. Für junge Tiere und Katzen empfiehlt man üblicherweise ein Verhältnis von ca. 1,2:1 bis 1,5:1. Wenn du unsicher bist, kann es sinnvoll sein, direkt beim Hersteller nachzufragen. Transparente Unternehmen geben hier in der Regel bereitwillig Auskunft.
Was füttern wenn man nicht barfen oder kochen kann?
Wenn du vorübergehend auf Fertigfutter angewiesen bist, geht es nicht darum, die perfekte Lösung zu finden, sondern eine sinnvolle und möglichst hochwertige Übergangslösung. Ein gutes Futter erkennst du vor allem daran, dass es dir keine Rätsel aufgibt: Die Zutaten sind klar benannt, der Anteil tierischer Bestandteile ist nachvollziehbar und unnötige Zusätze wie Zucker oder große Mengen an Füllstoffen fehlen.
Besonders praktisch – gerade im Urlaub – sind Reinfleischdosen. Sie funktionieren im Prinzip ähnlich wie deine gewohnten BARF-Rationen: Du kannst sie mit deinen bekannten Supplementen wie Seealgenmehl und Öl sowie beispielsweise Gemüseflocken ergänzen. Dadurch bleibt die Fütterung für dein Tier vertraut, und die Umstellung fällt deutlich leichter.
🧠 Fazit: Gelassen bleiben und informiert entscheiden
Auch wenn es sich im ersten Moment ungewohnt anfühlt – ein zeitweiser Wechsel auf Dose oder Trockenfutter ist kein Drama. Viel wichtiger ist, dass du weißt, wie du die Qualität eines Futters einschätzen kannst.
Die Deklaration ist dabei dein wichtigstes Werkzeug. Wer sie lesen und verstehen kann, lässt sich nicht von wohlklingenden Werbeversprechen blenden, sondern trifft fundierte Entscheidungen.
Und genau das gibt dir die Sicherheit, die du in solchen Ausnahmesituationen brauchst – damit dein Tier auch dann gut versorgt ist, wenn der Alltag einmal nicht nach Plan läuft.
