BARF und Kochration: Innereien im Futternapf
🐾 Innereien – warum sie so wichtig sind und keine Angst machen müssen
Wenn es um das BARFen oder eine ausgewogene Kochration geht, gehören Innereien wie Leber, Niere, Herz, Milz und Lunge zu den häufig unterschätzten, aber unverzichtbaren Bestandteilen einer artgerechten Fütterung. Viele Hundebesitzer zögern jedoch, Innereien zu füttern – häufig, weil sie als „Entgiftungsorgane“ gelten und daher pauschal mit Schadstoffen in Verbindung gebracht werden. Dabei sind Innereien wahre Nährstoffbomben und ein zentraler Bestandteil jeder artgerechten Ration – vorausgesetzt, man weiß, worauf es bei Auswahl und Menge ankommt.
In diesem Beitrag erfährst du, warum Innereien so wichtig sind, welche Nährstoffe sie liefern, was wirklich hinter dem „Gift“-Mythos steckt – und was zu beachten ist, wenn du sie einmal nicht füttern kannst.
🩸 Warum Innereien beim BARF oder in der Kochration unverzichtbar sind.
Im natürlichen Beutetierprinzip – dem Vorbild des BARF-Konzepts – frisst der Wolf oder Wildhund nicht nur Muskelfleisch, sondern das komplette Beutetier, also auch die inneren Organe. Diese liefern essentielle Nährstoffe, die im reinen Muskelfleisch kaum oder gar nicht vorkommen. Ohne Innereien wäre die Fütterung unausgewogen und könnte langfristig zu Mangelerscheinungen führen.
Innereien werden im BARF-Plan meist mit 15 % des tierischen Anteils der Ration angegeben. Den Löwenanteil davon macht mit rund 33 % die Leber aus, ergänzt durch Herz, Niere, Milz und Lunge. Jedes dieser Organe hat ein eigenes, unverwechselbares Nährstoffprofil – schauen wir sie uns im Einzelnen an.

Die wichtigsten Innereien und ihre Nährstoffe im Überblick
1. Leber – das Vitamin-A-Kraftwerk
Die Leber ist eines der nährstoffreichsten Lebensmittel überhaupt. Sie liefert Vitamin A in hoher Konzentration – wichtig für Augen, Haut und Immunsystem –, dazu B-Vitamine (insbesondere B12, Biotin und Folsäure), Vitamin D sowie Spurenelemente wie Kupfer und Mangan. Wie hoch der Vitamin-A-Gehalt tatsächlich ist, verdeutlicht ein Vergleich: 100 g Rinderleber enthalten rund 15.300 µg Vitamin A, Rindermuskelfleisch dagegen nur 20,1 µg – ein Unterschied um mehr als das 700-Fache.
🟢 Wichtig: Genau diese Konzentration macht die Leber so wertvoll – und verlangt gleichzeitig nach Maß. Leber sollte nach Plan und in begrenzter Menge gefüttert werden, da eine dauerhafte Überversorgung mit Vitamin A schaden kann. Richtig dosiert ist sie aber unverzichtbar für eine ausgewogene Nährstoffzufuhr.
2. Herz – mehr als nur Muskel
Das Herz ist technisch gesehen ein Muskel, wird in der BARF-Praxis aber zu den Innereien gezählt. Es liefert vor allem viel Taurin – eine Aminosulfonsäure, die für die Herzfunktion und die Sehkraft essenziell ist, besonders bei Katzen, die Taurin im Gegensatz zum Hund nicht in ausreichender Menge selbst herstellen können. Ein Taurinmangel ist bei Katzen als Ursache für eine dilatative Kardiomyopathie (eine Herzmuskelerkrankung) gut belegt; auch beim Hund wird ein möglicher Zusammenhang zwischen bestimmten – meist stark verarbeiteten – Futtersorten und Herzproblemen diskutiert. Naturbelassenes, taurinreiches Herz ist hier ein echtes Plus von BARF gegenüber industriell verarbeitetem Futter.
Innereien wie das Herz enthalten außerdem vergleichsweise viel Purin, das im Körper zu Harnsäure abgebaut wird. Für die meisten Hunde ist das unproblematisch. Bei Rassen mit einer Veranlagung zu Harnsäuresteinen – bekanntestes Beispiel ist der Dalmatiner – sollte die Purinmenge in der Ration aber bewusst im Blick behalten werden.
3. Niere – das Filterorgan voller Mikronährstoffe
Die Niere liefert wertvolle B-Vitamine sowie Natrium und Selen und trägt so zu einer guten Blutbildung und Energieversorgung bei. Trotz ihres „Filterrufs“ ist sie, von gesunden Tieren stammend, ein sicheres und gesundes Futtermittel. Besonders auffällig ist ihr hoher Natriumgehalt: 100 g Rinderniere liefern etwa 210 mg Natrium, 100 g Rindermuskelfleisch dagegen nur 57 mg.
4. Milz – unterschätzt, aber nährstoffreich
Die Milz ist reich an Eisen, Kalium und Phosphor und unterstützt damit vor allem die Blutbildung und Sauerstoffversorgung. Besonders wertvoll: Es handelt sich um Häm-Eisen aus tierischer Quelle, das der Körper deutlich besser aufnehmen kann als pflanzliches Eisen. Im Vergleich zeigt sich das deutlich – 100 g Rindermilz liefern rund 44 mg Eisen, 100 g Rindermuskelfleisch nur 1,9 mg. Damit lässt sich die Milz hervorragend als natürlicher Eisenlieferant in die Ration integrieren.
5. Lunge – leicht und bekömmlich
Lunge enthält weniger Fett und Energie als andere Innereien, ist dafür aber gut verdaulich und reich an Proteinen und Mineralstoffen – eine gute Option für Hunde, die zu Übergewicht neigen. In getrockneter Form eignet sie sich außerdem hervorragend als Leckerli.
⚗️ Der Mythos vom „Giftlager“: Was Leber und Niere wirklich speichern
Ein häufiges Missverständnis: Viele Tierhalter glauben, dass Leber oder Niere generell „Giftstoffe speichern“ und deshalb gefährlich seien. Diese pauschale Angst ist unbegründet – aber die Wahrheit ist etwas differenzierter, als man oft liest.
Bei den Stoffwechselprodukten, die ein Tier selbst produziert, stimmt die Entwarnung uneingeschränkt: Die Niere ist ein Ausscheidungsorgan. Sie filtert Stoffe aus dem Blut, die der Körper loswerden will – etwa Harnstoff oder überschüssige Elektrolyte –, gibt sie aber weiter, statt sie einzulagern; sonst würde sie sich selbst schädigen. Die Leber wiederum wandelt körperfremde oder anfallende Stoffe so um, dass sie über Galle oder Niere ausgeschieden werden können. Beide Organe reinigen und verarbeiten also, sie funktionieren nicht wie ein Lagerhaus.
Anders sieht es bei bestimmten Umweltschadstoffen aus, die von außen aufgenommen werden – allen voran Schwermetalle. Diese können sich über die Lebenszeit eines Tieres tatsächlich in Leber und Niere anreichern, vor allem bei älteren Tieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat das in einer eigenen Untersuchung an Rindern und Schweinen bestätigt: Bei älteren Schlachttieren lagen die Schwermetallgehalte in den inneren Organen spürbar höher als bei jungen Tieren. Genau deshalb ist die Herkunft der Innereien kein Nebenaspekt, sondern der entscheidende Qualitätsfaktor: Innereien von jungen, gesunden Tieren aus vertrauenswürdiger Haltung sind hier klar im Vorteil gegenüber Organen alter Schlacht- oder Milchkühe.
Vitamin A und Kupfer speichert die Leber übrigens tatsächlich – das sind aber wertvolle Nährstoffe und keine Gifte. Die eigentliche Schadstoffbelastung im Alltag stammt zudem meist gar nicht aus dem Futternapf, sondern aus Luftverschmutzung, Innenraumschadstoffen wie Weichmachern oder Schimmel und Pestizidrückständen in Lebensmitteln allgemein. Ein gesunder Körper ist darauf ausgelegt, mit einem gewissen Maß an Umweltbelastung umzugehen – und Leber und Niere sind dabei seine wichtigsten Helfer. Wer auf gute Herkunft achtet und Innereien nicht im Übermaß, sondern nach Plan füttert, kann bedenkenlos von ihrem Nährstoffreichtum profitieren.
⚖️ Wenn Innereien (vorübergehend) nicht gefüttert werden können
Manchmal gibt es Gründe, auf Innereien in der Fütterung zu verzichten oder die Portion zu reduzieren – sei es aus Gründen des Geschmacks, der Gesundheit oder aus anderen Gründen. Doch auch wenn es manchmal einfach nicht passen will, gilt: Innereien einfach wegzulassen ist keine Option, wenn du eine ausgewogene und bedarfsdeckende Fütterung anstrebst. Reduzieren lässt sich die Innereienmischung allenfalls um Herz und Lunge, sodass Leber, Niere und Milz zu gleichen Teilen gefüttert werden.
Wird ganz auf Innereien verzichtet, müssen die darin enthaltenen Nährstoffe gezielt ergänzt werden – und zwar nicht irgendwie, sondern durch gut abgestimmte Nährstoffergänzungen, die die fehlenden Vitamine und Spurenelemente wie Vitamin A, B-Vitamine, Eisen, Kupfer, Zink und Selen in der richtigen Menge ersetzen. Wer Innereien gart oder kocht, sollte ebenfalls an die B-Vitamine denken: Je nach Temperatur und Garzeit gehen sie teilweise verloren, sodass auch hier mit Nahrungsergänzungen nachgeholfen werden muss.
Wer sich unsicher ist, ob alles Nötige im Futternapf landet, oder Unter- beziehungsweise Überversorgungen vermeiden möchte, ist mit einer professionellen Rationsberechnung gut beraten.
🦴 Fazit: Innereien sind essenziell für eine gesunde BARF-Ernährung oder Kochration
Innereien sind kein „Abfallprodukt“, sondern das Superfood des Futternapfs. Sie liefern lebenswichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die kein anderes Futtermittel in dieser Dichte bietet. Wer sie weglässt, riskiert Mangelerscheinungen – wer sie richtig dosiert und auf gute Herkunft achtet, sorgt für eine rundum ausgewogene, natürliche Ernährung.
👉 Kurz gesagt:
Innereien liefern hochwertige Nährstoffe, die Muskelfleisch allein nicht bietet.
„Entgiftungsorgane“ speichern keine körpereigenen Stoffwechselgifte – bei Schwermetallen kommt es aber auf die Herkunft und das Alter des Tieres an.
Fehlen Innereien in der Ration, müssen ihre Nährstoffe gezielt ergänzt werden.
Wähle Innereien nach Möglichkeit von jungen Tieren aus gesunder, vertrauenswürdiger Haltung.
So wird das BARFen und Kochen nicht nur artgerecht, sondern auch sicher und nährstoffreich – für ein langes, glückliches Hundeleben.
Quelle für die Nährstoffwerte der Innereien:
Simon, S. (2009): BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter, S. 70 ff. |
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Schwermetalle in Innereien von Rindern, Jahresbericht 2013.
